Ich halte die Aussage dieses Herrn für Unsinn. Nicht der relativ zu früher billigere Spritpreis ist der Grund, sondern effizientere Produktionsmethoden und hohe Stückzahlen machten die Fahrzeuge relativ günstiger.
Berechtigt ist die Frage, ob wir wirklich so starke Fahrzeuge brauchen. Aber Autofahren ist ja auch nur begrenzt rational...
Die Aussage der FAZ passt, wenn man die Ecklöhne z.B. der N+E Industrie in NRW zu Grunde legt.
Monatslohn 1950: 125,48 Euro
Monatslohn 2009: 2114,21 Euro
1l Diesel: 0,14% des Monatslohns
Dieselpreis 1950: 17,2 ct/l
Dieselpreis 2009: 108,5 ct/l
1l Diesel: 0,05% des Monatslohns
Wenn man die höhere Arbeitszeit früher berücksichtigt, wird der Faktor noch günstiger. Und 2009 war ein Jahr in dem der Preis noch relativ niedrig war.
Ich habe die Dieselpreise seit 1950 etwas genauer analysiert. Demnach beträgt die mittlere jährliche Steigerung der Dieselpreise:
in den 1950ern: 3,9%
in den 1960ern: 1,0%
in den 1970ern: 6,4%
in den 1980ern: 0,5%
in den 1990ern: 2,9%
in den 2000ern: 6,0%
Interessant ist, dass Geschwindigkeit, mit der sich der Dieselpreis sich ändert, heute etwa so groß ist wie in den 50ern. Aber vor allem die Fluktuationen der jährlichen Änderungen sind seit der Ölkrise in den 70ern deutlich größer geworden. Dadurch werden kurzfristige Preissteigerungen für uns Kunden deutlich spürbarer, wir vergessen aber dabei leicht, dass er zwischenzeitlich auch wieder sinkt. Ich denke, dass ist ein normale psychologisches Phänomen.
Trotzdem steigt der Dieselpreis immer schneller und es ist nicht zu erwarten, dass sich daran etwas ändert. Auf Basis dieser Zahlen und unter der Annahme, dass es so weiter geht, kann man davon ausgehen, dass die jährliche Steigerung bei ca. 4-6% liegen wird. Geht man von einer Reallohnsteigerung aus, die darunter liegen wird, ist somit von einer realen Verteuerung des Dieselpreises auszugehen.
Da in den Jahren bis 1975 die Reallöhne sehr stark gestiegen sind (rund 9,2%/a) wurde der Dieselpreis für jeden real deutlich billiger. Zwischen 1975 und 2000 stiegen die Reallöhne moderat (2,8%) und seit 2000 stagnieren sie in etwa und haben teilweise geringfügig abgenommen. Dadurch wird der Dieselpreis real deutlich teurer und er wird real auch immer schneller teurer, d.h. die Preissteigerung steigt auch. Da aber in die Reallohnentwicklung die Energiepreise (teilweise) integriert sind, ist die Dramatik nicht ganz so ausgeprägt. Hier kommt es auf das eigene Verhalten, sprich den eigenen Verbrauch an.
Da nicht abzusehen ist, dass sich die Entwicklung umkehren wird, wird es damatisch für Menschen, die kaum noch Luft im Gehalt haben, den steigenden Diesel- und analog den Benzinpreis aufzufangen.
Grüße
Jürgen